Zuckersteuer-Fakten

Zahlen, Hintergründe und Positionen zur Debatte um eine Zuckersteuer in Deutschland

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Sieben Argumente gegen die Zuckersteuer

Diese Seite gibt die Position dieser Initiative wieder: Gesundheit ja — aber mit wirksamen Maßnahmen statt einer neuen Steuer. Alle Belege finden Sie auf der Quellenseite.

1. Eine Steuer macht niemanden gesünder — Bildung schon

Nachhaltige Ernährungsbildung wirkt langfristig; Steuern ersetzen keine Aufklärung. Wer die Gesundheit der Bevölkerung verbessern will, sollte auf Maßnahmen setzen, die nachweislich wirken und zugleich die Eigenverantwortung stärken:

  • Verbindliche Ernährungsbildung in Schulen und Kindertagesstätten, um früh Wissen über ausgewogene Ernährung zu vermitteln.
  • Förderung von Sport und Bewegung, etwa durch den Ausbau von Sportstätten und mehr Bewegungsangebote in Schulen und Vereinen.
  • Bessere Verbraucherinformation, zum Beispiel durch leicht verständliche Nährwertkennzeichnungen und Aufklärungskampagnen.
  • Anreize für gesunde Lebensmittel, etwa eine geringere Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse.
  • Kooperationen mit der Lebensmittelwirtschaft, um Zuckergehalte schrittweise zu senken, ohne Verbraucher finanziell zu belasten.
  • Stärkung der Prävention im Gesundheitswesen, damit Risikogruppen früh beraten und unterstützt werden.

Erfolgreicher Gesundheitsschutz entsteht nicht durch höhere Preise, sondern durch Aufklärung, Prävention, Bewegung und bessere Rahmenbedingungen für gesunde Entscheidungen. Eine Zuckersteuer, deren Nutzen auf Modellrechnungen beruht, leistet das nicht — sie verteuert nur den Einkauf.

Belege: Ernährungsstrategie der Bundesregierung, IN FORM-Aktionsprogramm, Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung — Quellen ansehen

2. Verbraucher brauchen Transparenz — keine Preiserziehung

Verbraucherinnen und Verbraucher sind in der Lage, selbst über ihre Ernährung zu entscheiden. Dafür benötigen sie transparente und verständliche Informationen über Inhaltsstoffe, Nährwerte und gesundheitliche Auswirkungen — keine staatliche Preislenkung, die bestimmte Entscheidungen über den Geldbeutel erzwingt.

In einer freiheitlichen Gesellschaft gilt: Klare Kennzeichnungen — etwa der Nutri-Score — und gute Ernährungsbildung ermöglichen informierte Kaufentscheidungen, ohne die Wahlfreiheit einzuschränken. Gesundheitspolitik sollte auf Information und Bildung setzen, nicht auf zusätzliche Steuern.

Belege: Studien zur Wirkung verständlicher Nährwertkennzeichnung, Positionen von DGE und Bundesernährungsministerium zur Ernährungsbildung — Quellen ansehen

3. Verbraucher zahlen die Zeche — und zwar die Falschen

Viele Haushalte stehen bereits unter finanziellem Druck. Eine zusätzliche Abgabe auf Getränke verteuert den täglichen Einkauf spürbar: Eine Kiste Limonade (12 × 1 l) würde im Modellfall rund 4,50 Euro mehr kosten — was das für Ihren Haushalt bedeutet, zeigt der Mehrkostenrechner.

Besonders hart trifft es Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen, weil sie einen größeren Anteil ihres Budgets für Lebensmittel ausgeben. Fachleute sprechen von einer regressiven Wirkung: Je geringer das Einkommen, desto schwerer wiegt die Steuer. Eine Abgabe, die Familien an der Kasse belastet, ist kein sozial ausgewogenes Gesundheitsinstrument.

Belege: 15. DGE-Ernährungsbericht zum Zusammenhang von Einkommen und Lebensmittelkonsum, Analysen der Tax Foundation zur regressiven Wirkung von Getränkesteuern — Quellen ansehen

4. Kleine und regionale Hersteller geraten unter Druck

Die deutsche Getränkelandschaft ist mittelständisch geprägt: Hunderte regionale Mineralbrunnen, Brauereien mit Limonaden-Sortiment und Familienbetriebe mit traditionellen Rezepturen — oft seit Generationen in ihrer Region verwurzelt. Genau diese Betriebe würde eine Zuckersteuer überproportional treffen:

  • Fixkosten wirken bei Kleinen stärker: Rezepturumstellungen, Sensorik-Tests, Laboranalysen, neue Etiketten, Preislisten und Kassendaten kosten einen regionalen Brunnen relativ gesehen ein Vielfaches dessen, was ein internationaler Konzern dafür aufwendet.
  • Konzerne haben den Vorteil: Große Anbieter verfügen längst über breite Zero-Portfolios und Skaleneffekte in Entwicklung und Einkauf. Regionale Spezialitäten mit traditioneller Rezeptur lassen sich dagegen nicht beliebig umformulieren, ohne ihren Charakter zu verlieren.
  • Arbeitsplätze in der Fläche: Getränkehersteller, Fachgroßhandel und Getränkefachmärkte sichern Arbeitsplätze gerade in ländlichen Regionen. Sinkende Margen und Absatzrückgänge gefährden diese Strukturen — und am Ende die Vielfalt im Getränkeregal.
  • Ein Verwaltungsaufwand für alle: Auch wer seine Rezeptur nicht ändert, muss die Abgabe berechnen, abführen und dokumentieren — dauerhafter Aufwand, den kleine Betriebe ohne eigene Steuerabteilung besonders spüren.

Eine Steuer, die faktisch die Großen begünstigt und die Kleinen belastet, erreicht das Gegenteil dessen, was gute Mittelstandspolitik will.

Belege: Verband Deutscher Mineralbrunnen zur mittelständischen Struktur der Branche, wafg-Positionen, offener Brief von über 300 Unternehmen der Getränkewirtschaft — Quellen ansehen

5. Eine Steuer nur auf Getränke ist inkonsequent

In den meisten Modellen werden ausschließlich zuckergesüßte Getränke besteuert. Produkte mit vergleichbarem oder höherem Zuckergehalt bleiben ausgenommen, zum Beispiel:

  • Schokolade, Gummibärchen und Kekse
  • Frühstücksflocken und Fruchtjoghurt
  • Ketchup und Grillsaucen
  • Toastbrot, Burger-Buns und Tiefkühlpizza

Wenn das Ziel ist, den Zuckerkonsum insgesamt zu senken, ist nicht begründbar, warum eine einzige Produktgruppe die Last trägt. Selbst die WHO dokumentiert, dass viele Steuermodelle nur ausgewählte Getränkekategorien erfassen, während andere zuckerreiche Produkte außen vor bleiben. Eine solche Ungleichbehandlung ist weder nachvollziehbar noch gerecht.

Belege: WHO-Berichte zur Ausgestaltung bestehender Getränkesteuern — Quellen ansehen

6. Die Zuckerreduktion läuft längst — ohne Steuer

Das Getränkeangebot hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Verbraucher können heute aus einer großen Vielfalt an zuckerarmen, zuckerreduzierten und zuckerfreien Getränken wählen — Zero wächst, Hersteller reduzieren Zucker, Verbraucher kaufen bewusster:

  • Der durchschnittliche Zuckergehalt von Erfrischungsgetränken in Europa ist seit 2000 um mehr als ein Drittel gesunken (UNESDA).
  • Über 40 Prozent der in Europa verkauften Erfrischungsgetränke sind bereits kalorienarm oder kalorienfrei (UNESDA).
  • Die Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie setzt auf freiwillige Zuckerreduktion; das Bundesernährungsministerium berichtet, dass die vereinbarten Ziele bei Erfrischungsgetränken erreicht wurden.
  • Das Max Rubner-Institut dokumentiert wissenschaftlich sinkende Zuckergehalte in zahlreichen Produktgruppen.

Innovation, Verbraucherwünsche und Wettbewerb schaffen wirksame Anreize für Veränderung — schneller und zielgenauer als jede Steuer. Diese marktwirtschaftliche Entwicklung verdient Unterstützung, keine zusätzliche Belastung.

Belege: UNESDA, FoodDrinkEurope, BMLEH, Max Rubner-Institut — Quellen ansehen

7. Sichere Bürokratie, unsicherer Nutzen

Die versprochenen Einsparungen bei den Gesundheitskosten beruhen auf Modellrechnungen mit erheblichen Unsicherheiten. Sicher ist dagegen, was eine neue Steuer auf jeden Fall verursacht: Unternehmen müssen Preise, Systeme und Prozesse umstellen, der Staat muss die Abgabe dauerhaft erheben, verwalten und kontrollieren.

Ein garantierter, dauerhafter Verwaltungsaufwand für einen Nutzen, der nur auf dem Papier steht — dieses Verhältnis spricht gegen die Einführung. Zumal die Zuckerreduktion, die die Steuer erzwingen soll, auf freiwilligem Weg bereits stattfindet.

Belege: Modellstudie Emmert-Fees et al. (PLOS Medicine 2023) und deren Annahmen — Quellen ansehen

Zum Nachdenken

Offene Fragen an die Politik

Fragen, auf die es aus unserer Sicht bislang keine überzeugenden Antworten gibt.

  • Warum sollen Getränke besteuert werden, andere stark zuckerhaltige Lebensmittel aber nicht?
  • Braucht gesunde Ernährung wirklich eine neue Steuer?
  • Sind Verbraucher nicht selbst in der Lage, bewusste Kaufentscheidungen zu treffen?
  • Wäre mehr Ernährungsbildung nicht wirksamer als höhere Preise?
  • Wer entlastet die Familien, die am Ende die Mehrkosten tragen?
  • Was geschieht mit den Steuereinnahmen — und wer garantiert, dass sie in Prävention fließen?
  • Wie sollen kleine, regionale Hersteller die Umstellungskosten stemmen, die Großkonzerne aus der Portokasse zahlen?

Häufige Einwände — und unsere Antworten

Einwand Unsere Antwort
„Übergewicht und Diabetes nehmen zu." Richtig — deshalb braucht es wirksame Maßnahmen: Bildung, Prävention, Bewegung. Eine Steuer, deren Nutzen auf Modellrechnungen beruht, ist nicht die Antwort.
„Andere Länder machen es erfolgreich vor." Gesunken ist dort vor allem der Zuckergehalt durch Rezepturänderungen — eine Entwicklung, die in Deutschland über die freiwillige Reduktion bereits läuft. Jedes Land hat andere Marktbedingungen; die Übertragbarkeit ist begrenzt.
„Steuern verändern das Kaufverhalten." Preise wirken kurzfristig auf die Nachfrage. Nachhaltige Verhaltensänderung entsteht aber durch Wissen und Gewohnheiten — also durch Bildung und Aufklärung, nicht durch den Kassenzettel.
„Die Krankheitskosten steigen." Das ist richtig — und gerade deshalb sollten die Mittel in Maßnahmen fließen, deren Wirkung belegt ist, statt in ein Steuerexperiment mit sicheren Kosten und unsicherem Nutzen.

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